Wie finden wir Orientierung, wenn sich die Zeiten verändern? Und was gilt es zu bewahren? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Festabends beim 60+-Wochenende. Unter dem Thema ‚Eine Bewegung in Bewegung‘ blickten die Teilnehmer nicht nur auf die Geschichte der Gemeinde zurück. In mehreren Gesprächsrunden ging es vor allem darum, wie Gottesfurcht, Erneuerung und geistliche Beweglichkeit zusammengehören.
Dank für einen gemeinsam gegangenen Weg
Zu Beginn richtete Vorsteher Christoph Matulke einen Dank an die ältere Generation: „Danke, dass ihr ausgehalten habt, dass ihr miteinander gegangen seid.“ Die sei nur möglich gewesen, weil Menschen Opfer gebracht hätten. „Sonst wäre nicht entstanden, was entstanden ist.“
Viele der Anwesenden hatten über Jahrzehnte Verantwortung übernommen und am Aufbau ihrer Heimatgemeinden mitgewirkt. Doch den empfangenen Segen zu bewahren bedeutet auch, ihn weiterzuführen.
Gottesfurcht ist nicht Konservativität
In der ersten Gesprächsrunde richtete Moderator Oliver Schmidt die Frage an Christoph Matulke, wie Gottesfurcht und geistliche Beweglichkeit zusammengehören. Die Antwort war deutlich: „Wir sind ständig in Erneuerung begriffen, wir sind ständig damit beschäftigt, es besser, anders und vollkommener zu machen. Und das ist ein großer Segen. Es ist niemals so, dass das Festhalten an alten Formen der Gottesfurcht entspricht.“ Denn, so ergänzte Matulke, man verwechsle Gottesfurcht leicht mit Konservativität.
Damit stellte sich eine weitere Frage: Woran lässt sich erkennen, ob eine Veränderung aus einer gesunden geistlichen Entwicklung hervorgeht oder lediglich eine Anpassung an den Zeitgeist ist? Johannes Schmechel (DCG Dürrmenz) verwies auf den Glauben an Christi Leib und an die Wirkungen in diesem Leib. Darin liege eine große Bewahrung. Menschen, die ein treues, verborgenes Leben führen, ergreifen für die Wahrheit Partei. So entstehe ein innerer Kompass –eine geistliche Orientierung, die durch wechselnde Zeiten hindurchführt.
Klarheit an die nächste Generation weitergeben
Geistliche Beweglichkeit bedeutet nicht, dass Maßstäbe beliebig werden. Im Gespräch wurde auch vor einem Zeitgeist gewarnt, der Werte verwässert. Eltern und Großeltern hätten die wichtige Aufgabe, Kindern sagen zu können, was richtig und was falsch ist. Als Maßstab bleibt das Wort Gottes: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott“ (Micha 6,8). „Die Gemeinde ist im Kampf entstanden, und ich würde wünschen, dass wir diesen Geist in das kommende Geschlecht hineinpflanzen, sodass sie den Unterschied halten können zwischen Recht und Unrecht, zwischen Gut und Böse und zwischen seelisch und geistlich.“, so Christoph Matulke.
Von vergangener Erweckung kann man nicht heute leben
Eine weitere Gesprächsrunde nahm die persönliche Erneuerung in den Blick. Auf die Frage, ob man von einer früheren Geistestaufe oder Erweckung leben könne, erinnerte Teilnehmer Peter Reinhardt dankbar an die innere Reinigung, die lebendige Hoffnung und die Gemeinschaft im Gebet, die er erlebt hatte. Doch das reiche nicht aus: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht“, zitierte er aus Matthäusevangelium 4,4.
Für den Weg im Gehorsam des Glaubens brauche es Kraft und „etwas Lebendiges vom Himmel“. Das sei es, was durch Prüfungen hindurchtrage und Veränderung im Inneren schaffe. Ein Glaubensleben bleibe lebendig, wenn der Mensch sich immer wieder nach geistlicher Speise sehnt und Gott sich ihm neu offenbaren kann.
Gemeinschaft über Ländergrenzen hinweg
Das 60+-Wochenende findet seit mehr als 20 Jahren jährlich auf der Schwäbischen Alb statt und erfreut sich wachsender Beliebtheit. In diesem Jahr kamen rund 280 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammen. Neben den Gottesdiensten bot das Programm vielfältige Aktivitäten sowie Raum für Gemeinschaft und persönlichen Austausch.

