Es gibt Menschen, die bleibende Spuren hinterlassen – nicht, weil sie im Mittelpunkt stehen wollen, sondern weil sie ihr Leben mit ganzer Hingabe einer Aufgabe widmen. Helmut Pfeifer war ein solcher Mensch. Wer ihn kannte, erinnert sich an seine Herzlichkeit und Entschlossenheit, an seinen unerschütterlichen Glauben an Gott und an seine außergewöhnliche Bereitschaft, sich für andere Menschen einzusetzen.
Helmut Pfeifer wurde am 17. September 1937 in Lindenfels als zweites von drei Kindern geboren. Schon früh lernte er, Verantwortung zu übernehmen. Mit nur 14 Jahren begann er in Worms eine Metzgerlehre. Die Ausbildung war hart. Unter anderem musste er einen etwa eine Tonne schweren Bullen allein zum Schlachthof führen. Während der Woche lebte er fern von seiner Familie. Diese Jahre prägten seinen Fleiß und stärkten seine Belastbarkeit.
Trotz aller Arbeit kam auch der Humor nicht zu kurz. Bei einem traditionellen Radrennen zwischen den Metzger- und Bäckerlehrlingen gelang es ihm, nach jahrelanger Dominanz der Bäcker den Sieg für die Metzger zu erringen – eine Geschichte, die noch lange erzählt wurde. Seine Mutter nannte ihn liebevoll „Sonny Boy“. Tatsächlich bewahrte er sich bis ins hohe Alter etwas von seiner jugendlichen Spontaneität und Lebensfreude.
Mit 17 Jahren traf Helmut Pfeifer die wichtigste Entscheidung seines Lebens: Er bekehrte sich von ganzem Herzen zu Jesus Christus. Der Satz „100 % für Jesus“, den er im Versammlungssaal einer Pfingstgemeinde gelesen hatte, wurde zum Leitmotiv seines Lebens.
Wenige Jahre später hörte er durch Prediger der damaligen Brunstad Christian Church die Verkündigung von Jüngerschaft, Glaubensgehorsam und Heiligung, die ihn tief bewegte und seinem Glaubensleben eine neue Richtung gab. Obwohl er zunächst skeptisch gewesen war, ließ ihn das Gehörte nicht mehr los. Mit 21 Jahren fuhr er – bereits verlobt – mit dem Motorrad nach Norwegen. Dort arbeitete er mehrere Monate in einer Metzgerei, lernte Norwegisch und sandte Berichte von den Gottesdiensten nach Deutschland, die vielen jungen Menschen zum Segen wurden.
In Lindenfels-Winkel fand Helmut Pfeifer in Hilde seine große Liebe. Als er sie fragte, ob sie seine Frau werden wolle, verband er den Heiratsantrag mit einer ungewöhnlichen Frage: ob sie bereit wäre, gemeinsam mit ihm als Missionarin nach Tibet zu gehen. Hilde war dazu bereit. Ihre Antwort brachte die gemeinsame Ausrichtung zum Ausdruck, die ihr weiteres Leben prägen sollte. Im Jahr 1960 heirateten sie. Im Laufe der folgenden Jahre wurden ihnen 17 Kinder geschenkt. Mit den Jahren nahm auch Helmut Pfeifers Verantwortung in der Glaubensgemeinschaft DCG Linnenbach e.V., dem früheren Verein Das Leben e.V., stetig zu.
Deshalb traf er eine außergewöhnliche Entscheidung: Er öffnete die elterliche Metzgerei nur noch halbtags und nahm die damit verbundenen erheblichen wirtschaftlichen Einbußen bewusst in Kauf, um mehr Zeit für seine Familie und die Gemeinde zu haben. Sein Herz schlug für die Menschen und für den Aufbau der Gemeinde.
Über viele Jahre gehörte Helmut Pfeifer dem Vorstand des Vereins an. Er organisierte unter anderem Jugendkonferenzen für mehrere Hundert junge Menschen im Odenwald und hielt Gottesdienste in seinem Haus in Lindenfels ab. Mit Kreativität, Wärme und originellen Ideen schuf er Möglichkeiten der Begegnung, an die sich bis heute viele Menschen dankbar erinnern. Singen und Musizieren, Wanderungen, Wettkämpfe und zahllose gemeinsame Erlebnisse machten diese Zeit für viele junge Menschen unvergesslich.
Auch innerhalb seiner großen Familie schuf Helmut Pfeifer Erinnerungen fürs Leben. Die Geburt eines weiteren Kindes wurde schon einmal mit kostenloser Wurst und Getränken für die Mitschüler der älteren Geschwister gefeiert. Zu Hause wurde viel gesungen und musiziert, und es wurde aus den Werken Friedrich Schillers vorgelesen. Trotz der Größe der Familie gehörten gemeinsame Reisen, Skiurlaube, Wanderungen und Motorradtouren zum Familienleben.
Seine Leidenschaft für Motorräder begleitete ihn bis ins hohe Alter. Gemeinsam mit Hilde und seinem Sohn William unternahm er noch viele Touren. Legendär blieb auch eine Begebenheit aus der Verlobungszeit: Obwohl Hilde keinen Führerschein besaß, fuhr sie das Motorrad, während Helmut auf dem hinteren Sitz saß. Als plötzlich die Polizei auftauchte, beugte er sich von hinten über sie, griff ans Gas und sorgte auf seine spontane Art für eine rasche Weiterfahrt.
Bereits im Alter von 27 Jahren übernahm Helmut Pfeifer Verantwortung in der Gemeindeleitung. Diesen Dienst übte er nahezu fünf Jahrzehnte lang mit großem Einsatz aus. Als er die Verantwortung später an die jüngere Generation weitergab, tat er dies mit Freude und mit dem aufrichtigen Wunsch, dass Gottes Werk weiter wachsen möge.
In seinen letzten Lebensjahren wurde in besonderer Weise sichtbar, wie sehr sein Leben durch Gottes Wirken verändert worden war. Aus einem Mann mit starkem Willen war ein milder, dankbarer und versöhnter Jünger Jesu geworden. Er nahm Hilfe demütig an und begegnete den Menschen mit Güte und Herzlichkeit.
Am 13. Juli 2026 durfte Helmut Pfeifer im Kreis seiner Familie friedevoll heimgehen, zu Jesus seinem Herrn. Er hinterlässt seine geliebte Frau Hilde, 17 Kinder mit ihren Ehepartnern, 66 Enkelkinder und 14 Urenkel.
Sein Leben war geprägt von Glauben, Tatkraft und Liebe. Wer ihm begegnete, erinnert sich an einen Menschen, der nicht vollkommen war, der sich jedoch mit ganzem Herzen danach ausstreckte, Christus nachzufolgen. Darin liegt sein Vermächtnis – ein Vermächtnis, das weit über sein eigenes Leben hinausreichen wird.

